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Trauerbewältigung

von  m Dnanidref  (70) am 26.12.2016 (Artikel wurde seitdem 1103x gelesen)
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Roman und ich am 02.10.2016
Aus Anlass des Requiems zur Beisetzung meines geliebten Sohnes Roman, am 28.Nov.2016, hatte ich mir Gedanken gemacht, wie ich mir und der Familie – aber auch den vielen Trauernden und besonders den teilnehmenden Menschen mit Handicap, die ganz besonders intensiv und eben anders trauern, ein klein wenig bei der Trauerbewältigung helfen könnte.

Spontan entschloss ich mich einige Zeilen aufzusetzen, um während des Requiems auch ein paar Worte an die Trauernden zu richten, was mir allerdings sehr schwer viel, denn ich hatte einen dicken Klos im Hals. Hier nun meine kurze Rede an die Trauernden:

------

Liebe Trauernde, verehrte Trauergäste!

Ich habe das Bedürfnis – vielleicht zu unser aller besseren Trauerbewältigung – einige wenige Worte zu sagen:

„Ein Licht ist auf tragische Weise erloschen!“

Roman war unser Sonnenschein!

Durch sein fröhliches und herzhaftes Lachen, durch seine Aufgeschlossenheit, seine Freundlichkeit und seine Kontaktfreudigkeit, hat er überall, wo man ihn kannte, viele Herzen im Sturm erobert und bleibende Eindrücke hinterlassen!

Ich, sein Papa, ich konnte in unseren gemeinsamen Augenblicken viel von ihm lernen und für mein Leben prägend mitnehmen, dafür bin ich in Demut sehr dankbar und glücklich! Leider war es uns – durch sein Handicap – nicht immer vergönnt, noch mehr gemeinsame Zeiten verbringen und geniesen zu können.

Trotzdem waren wir ein eingespieltes Team! Und wenn er sich manchmal durch seine Behinderungen nicht so recht auszudrücken wusste, sagte er zu mir: „Papa, du weißt schon, was ich sagen wollte!“ Und mit den Jahren habe ich tatsächlich fast alles verstehen gelernt oder zusammenreimen können.

Nun ist er so plötzlich und für uns vollkommen unerwartet von uns gegangen! Ohne jeglichen Abschied, was wir nicht so recht verstehen und begreifen wollen. Doch wenn der Herr ruft, ist oft Eile geboten und es bleibt manchmal keine Zeit, Abschied zu nehmen.

Aber ich glaube zu wissen, was er Euch so gerne noch gesagt hätte und möchte es für ihn und in seinem Namen an die, die durch seinen plötzlichen Tod sehr betroffen sind und um ihn trauern, weitergeben:

------

„Weint nicht um mich, denn ich bin nicht wirklich von Euch gegangen! In Euren Gedanken und in euren Herzen bin ich immer bei euch allen und werde immer dort bleiben. Auch ich bin ein wenig traurig darüber, dass ich mich nicht mehr von Euch allen gebührend verabschieden konnte. Doch vielleicht wäre uns – durch schwere Erkrankung oder langes Leiden - dann das Abschiednehmen noch viel, viel schwerer gefallen.

Wo ich jetzt bin, geht es mir sehr, gut! Es ist alles wunderbar hier und ich bin glücklich, denn ich habe keine Handicaps mehr, die mich in so vielen Dingen behinderten, mich auch manchmal wütend machten und durch die mir manches versagt blieb!

Ich habe hier schon alle getroffen, die diesen Weg vor mir gegangen waren: Meinen Opa und meine große Schwester Rebecca, die ich beide bisher nicht kannte, meine Oma, meinen anderen Opa, meine Tanten und Onkel, einige meiner Freunde und viele, viele andere mehr! Und eines Tages – da werde ich auch Euch alle bestimmt wiedersehen!

Meinen Betreuern und meinen Mitbewohnern der WG Josef, der WG Martin und des Kinderhauses Michael, meinen Freunden und Arbeitskollegen im „antonius-netzwerk mensch“ wollte ich aber so gerne noch sagen: verzeiht mir, wenn ich mal unfreundlich, ruppig oder gar grob zu Euch war – was nie so gemeint war und was mir immer sofort wieder leid tat, aber es waren wohl Folgen meiner Hilflosigkeit durch meine Handicaps. Trotz alle dem war es immer eine sehr, sehr schöne Zeit mit Euch, wofür ich Euch von Herzen danken möchte! Ich habe mich bei Euch und mit Euch immer sehr wohl gefühlt!

Mama, Papa, Steffen, Bianca und Ellin und all ihr anderen, denkt immer an die wunderschönen Augenblicke und glücklichen Momente, die wir gemeinsam verbringen und erleben durften! Solche Gedanken und Euer Glaube werden Euch helfen, Eure momentane, tiefe Trauer besser zu verarbeiten und zu überwinden! Wer weiß - aber vielleicht ist mir auch manches Leid erspart geblieben.

Die Zeit steht nicht still und irgendwann werdet ihr alle diesen Weg gehen müssen, auf dem ich Euch nur vorausgeeilt bin, weil mich mein Erlöser gerufen hat - und dort, da werde ich Euch an seiner Seite freudig und glücklich empfangen,


in Liebe – Roman!“

------

Danach „Eleni“ von Demis Roussos einspielen – danke! (Kann vom Internet über Google heruntergeladen werden!)


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  • Lieber Dnanidref,
    gepostet von geschrieben von  w Roxanna  (65) am 28.12.2016 20:44

    deine bei der Trauerfeier deines Sohnes gesprochenen Worte haben mich sehr bewegt. Wenn Eltern in das Grab ihrer Kinder schauen müssen, ist es doch mit das Schlimmste, was passieren kann. Das Leben legt uns immer wieder Schweres auf und ich wünsche dir, dass du Menschen an deiner Seite hast, die dir Trost und Halt geben können.

    Herzlichen Gruß
    Roxanna

  • -.-.-.-
    gepostet von geschrieben von  m Syrdal  (75) am 28.12.2016 21:26

    Lieber Ferdinand, mein guter Freund in tiefer Trauer, ich umarme Dich...
    Syrdal

  • lieber ferdinand...........
    gepostet von geschrieben von  w seelchen  (63) am 29.12.2016 17:36

    Du hast das beste getan....was du machen konntest!.......
    du hast deinen geliebten sohn geehrt....und das getan....was er selbst getan hätte...und genau das tut auch deiner seele gut.......

    er ist ...sicher....wie du sagtest...jetzt an einem schönen ort.......
    deine rede war wunderbar......dein sohn hat sie sicher gehört.......

    auch ich war gerührt darüber.........
    auf deinem bild erkenne ich einen lieben....guten jungen......und deine augen zeigen deinen ganzen stolz über ihn....dass er jetzt nicht mehr da ist....tut sehr weh.......
    du musst jetzt ohne* roman *auskommen......aber er ist trotzdem immer bei dir!!!!!
    ich wünsche dir...dass der schmerz darüber irgendwann leichter wird......und du mit einem lächeln an die schöne zeit mit ihm zurückdenken kannst......

    und wieder b eginnt bald ein neues jahr........
    ich grüsse dich und wünsche dir von herzen alles gute......

  • Trauer um Roman
    gepostet von geschrieben von  w xenia  (74) am 02.01.2017 12:04

    Lieber Ferdinand,

    du hast sehr liebe und anrührende Worte gefunden, die mich sehr berührt haben.

    Ich wünsche dir viel Seelenkraft, die verständliche große Trauer zu be- und verarbeiten. Mögen mitfühlende Menschen dich dabei begleiten.

    Alles Gute für dich.

    Karin

  • Ich wünsche dir viel Kraft!
    gepostet von geschrieben von  w comeback  (70) am 07.01.2017 15:44

    Lieber Ferdinand!

    Du hast deinen Sohn die Worte mitgegeben für seine letzte Reise, die ihn sicher sehr viel bedeuten würden und die ihn den Segen geben, die er verdient hat.

    Ich wünsche dir noch viel Kraft für die Bewältigung der Trauer.

    Meine aufrichtige Anteilnahme will ich dir noch überbringen

    Annemarie

  • Tränen lügen nicht, aber ich hab sie weggewischt
    gepostet von geschrieben von  w nixe44  (73) am 10.01.2017 20:08

    Hallo Ferdinand, Du hast sehr einfühlsame Worte gewählt. Mir schossen die Tränen in die Augen.

    Es ist ganz schlimm wenn sich das eigene Kind von den Eltern verabschiedet, mit oder ohne Worte.

    Will nicht heissen, dass man um den Ehepartner weniger trauert, doch es ist ein anderes Gefühl.

    Noch lebt er, aber in seiner eigenen Welt in einem Pflegeheim.

    Alles hat seine Zeit, es gibt eine Zeit der Stille, eine Zeit des Schmerzes, aber auch eine Zeit der dankbaren Erinnerung.

    Einen lieben Gruß
    nixe-Monika

  • Es ist so schwer,
    gepostet von geschrieben von  w floravonbistram  (68) am 21.01.2017 12:32

    einen geliebten Menschen gehen lassen zu müssen.

    Doch immer soll ein Licht der Freude leuchten, dass es doch viele schöne Erinnerungen gibt...auch wenn es gerade für Eltern schwer ist, ein Kind zu verlieren.
    Eine Umarmung und liebe GRüße
    Flo

  • lieber Ferdinand!
    gepostet von geschrieben von  w Clematis  (78) am 21.01.2017 12:50

    Ich möchte Dir nur aus ganzem Herzen danken!

    Clematis

  • Herzliche Anteilnahme zum schmerzhaften Verlust!
    gepostet von geschrieben von  w Chrissy  (62) am 21.01.2017 20:58

    Mich hat der "Verabschiedungs-Gruß" im Namen Romas ebenfalls sehr bewegt.
    Welch große Vaterliebe hat Worte des Trostes für alle gefunden!

    Ganz besonders nahe gingen mir die Schlusszeilen: ...denkt immer an die wunderschönen Augenblicke und glücklichen Momente, die wir gemeinsam verbringen und erleben durften! .... Wer weiß - aber vielleicht ist mir auch manches Leid erspart geblieben.

    Die Zeit steht nicht still und irgendwann werdet ihr alle diesen Weg gehen müssen, auf dem ich Euch nur vorausgeeilt bin, weil mich mein Erlöser gerufen hat - und dort, da werde ich Euch an seiner Seite freudig und glücklich empfangen,

    Welch Trostgedanke! Gesegnet ist, wer glaubt!

    Danke für das Vertrauen des (Mit-)Teilens!

  • Sehr lange und intensiv
    gepostet von geschrieben von  m Dnanidref  (70) am 22.01.2017 00:59

    habe ich darüber nachgedacht, wie ich all die netten, anteilnehmende, ermunternde, bewegende und unterstützende Kommentare und Privatnachrichten zu Teilen meiner Trauerbewältigung in Form dieses Blogs, in Demut würdevoll beantworten könnte!

    Ich sage Euch allen zunächst einfach danke und umarme Euch ganz herzlich! Im Einzelnen schreibe ich Euch noch über PM an!

    Ich bin überwältigt und ziemlich sprachlos, die richtigen Worte zu finden, zumal auch viele Fragen zur richtigen Trauer und Trauerbewältigung zu solchen und ähnlich erlebten Schicksalsschlägen, an mich herangetragen wurden!

    Doch für richtige Trauer und richtige Trauerbewältigung gibt es nach meiner Auffassung keine Schablone – keine Mustervorlage, zumal auch die Gegebenheiten sehr unterschiedlich sein können!

    Persönlich glaube ich, dass jedem für Trauer und seelisches Leid aber auch sehr viele Möglichkeiten offen gehalten werden, diese richtig zu verarbeiten.

    Der Verlust eines innig geliebten Menschen ist immer ein herber Schlag, der besonders Zeit brauch, ihn zu verarbeiten! Dabei ist es sicher hilfreich, mit anderen über Verlust und Trauer zu sprechen und - in Ableitung auch zu schreiben! Sich dagegen abzukapseln, kann sehr schwerwiegende, gesundheitliche Folgen haben. Auch Schuldzuweisungen, Zorn und Groll sind schlechte Ratgeber!

    Besser ist es allemal, sich mit dem Begriff des Schicksals auseinander zu setzen. Ein weitverbreitetes und täglich - oft leichtfertig - benutztes Wort, das trotzdem sehr umstritten ist. In den meisten Weltreligionen wird es als eine übermächtige Wertvorstellung angesehen, die ohne menschliches Zutun Leben beeinflussen kann. Synonym wird es mit dem Wort Los verglichen, was einen wiederum an Glück oder Pech erinnert.

    Auch ich bewerte den Begriff des Schicksals mit höhere Gewalt! Dazu tragen aber auch die Lebensumstände und Erlebtes bei. Als Mensch mit Nahtoderfahrung habe ich Phänomene kennengelernt bzw. erleben dürfen, die selbst in der Wissenschaft höchst strittig sind und die man noch immer zu erforschen versucht!

    Sicher ist aber auch, dass alle Dinge dieser Welt sowohl einen Anfang als auch ein Ende haben oder haben werden. Dies mag für uns unreflektiert, normal und natürlich sein, solange man davon nicht berührt wird. Doch wenn dieses Gesetz des Werdens und Vergehens uns selbst durch den Tod eines geliebten Menschen oder durch eigene, lebensbedrohliche Erkrankungen erreicht, dann begreifen wir erst:

    Das Gesetz des Werdens und Vergehens gilt für alle – gilt auch für mich! Letztendlich kommt man dann auch zu der Schlussfolgerung: Leben ist ein fortwährendes Abschiednehmen oder auch mit den Worten der französischen Sängerin Mireille Matthieu:

    „Zum Leben gehört das Abschiednehmen, gehört das Wort Adieu!“

    Ferdinand



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