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Der rote Hahn im Stechlin

von  m Syrdal  (75) am 13.05.2017 (Artikel wurde seitdem 121x gelesen)
bild
Roter Hahn

Der rote Hahn im Stechlin

Glasklar das Wasser des großen Stechlin,
tief reicht der Blick bis zum Grund hinab,
Maränenschwärme* die Fluten durchziehn,
still rundend manch eines Fischers Grab,
der voller Hochmut trotz aller Warnung
vor dem berüchtigten roten Hahn,
nicht achtend die klare Todesdrohung
hinausfuhr mit dem hölzernen Kahn
und an des Stechlinsees tiefster Stelle
das Netz ausgeworfen hat zum Grund,
dieses ihn alsbald mit schwerer Fülle
hinabzog in den tödlichen Schlund.
Ein purpurroter Hahn wohnt tief unten,
der es nicht duldet, dass man dort fischt,
so hat manch einer den Tod gefunden
durch eine hinabstrudelnde Gischt.

„Das alles ist doch nur schnödes Geschwätz“,
meint Fischer Minack, „ich geb’ nichts drauf,
es gibt auf dem See kein Verbotsgesetz –
los, Gesellen, wir fahren hinaus!“
Diese folgen mit Zittern und Zagen,
rudern zögerlich über den See,
der Draufgänger will es wirklich wagen,
ganz besessen von seiner Idee.
Er steuert den Kahn straks zur Mitte hin,
genau zu des Stechlins Untiefe,
wirft hier das Netz aus und hat nur im Sinn,
dass der Fischfang bestens verliefe.
Zurück gehts zum Ufer, um dann alsbald
mit Seilen das Netz einzuholen,
das aber hat sich am Grund festgekrallt,
als söllt sich der Fischzug nicht lohnen.

Darauf rudert Minack allein hinaus,
das Netz dort vom Grunde zu lösen,
er hievt es ein Stück aus dem Wasser raus
und knüpft es an mehrere Ösen,
dann legt er das Seil quer über den Kahn
und ruft hin zum Ufer „Aufrollen!“
Es strafft sich das Tau, die Männer zieh’n an,
am Himmel gibt’s Donner und Grollen,
das Wasser schäumt auf vom Sturm schwer gepeitscht,
laut dröhnen hochsprühende Säulen,
hart spannt sich das Seil, doch das Netz, es weicht
nicht vom Fleck in wütenden Wellen,
schon zerrt es den Kahn zum Grund zu hinab,
der Fischer schreit gegen’s Sturmröhren:
„Haltet ein, haltet ein, lasst endlich ab!“
doch niemand kann seinen Ruf hören.

Sie ziehen das starke Tau weiter an,
der Nachen beginnt jetzt zu sinken,
in höchster Not konnte der Fischersmann
das Kentern des Bootes abwenden,
er hatte das straffe Seil zerschnitten,
die beiden Enden sausten hinweg,
für diesen Moment konnt’ er sich retten,
sogleich aber wird er blass vor Schreck:
aus den Fluten schießt auf im Gewitter,
ein großer flatternder roter Hahn,
betäubt mit Flügelschlägen den Fischer
und schickt ihn zum Grund samt seinem Kahn.
...........................
So ist der Fischer Minack verschwunden,
er hat das Licht nie wieder gesehn,
hat tief im Stechlin sein Grab gefunden. –
Den roten Hahn darf man nicht verhöhn!

© Syrdal 2017


Legende:
*Stechlin = glasklarer natürlicher See im Rheinsberger Seengebietes (Land Brandenburg, Naturraum Neustrelitzer Kleinseenland) mit einer Fläche von 412 Hektar
*Maräne = hier die Kleine Maräne (Coregonus albula), ein kleiner, schlanker, stromlinienförmiger Süßwasserfisch.






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  • Dankeschön!
    gepostet von geschrieben von  w Clematis  (78) am 15.05.2017 11:14

    Wie sehr erinnert mich Deine Ballade an den wunderbaren Film "Der Stechlin" mit Arno Assmann. Ich seh ihn leibhaftig vor mir!

    Nach einem Roman von Theodor Fontane. Weshalb dürfen wir solche Filme nicht mehr sehen?
    Diese Frage ist rein rhetorisch, lieber Syrdal, ich weiss.

    sei bedankt und gegrüßt
    Clematis

  • #Clematis
    gepostet von geschrieben von  m Syrdal  (75) am 15.05.2017 14:15

    Es freut mich, liebe Clematis, wenn Dich mein auf der Grundlage einer Sage entstandenes Gedicht an den TV-Dreiteiler „Der Stechlin“ erinnert, der ein von Theodor Fontane sehr detailliert geschildertes Gesellschaftsbild seiner Zeit nachzeichnet. Nun fragst Du: „Weshalb dürfen wir solche Filme nicht mehr sehen?“ Eine verifizierte Antwort kann ich da freilich nicht geben, doch denke ich, dass man durchaus solche Filme sehen darf, aber... Man schaue sich nur einmal die TV-Angebote an. Ein nur flüchtiger Blick zeigt sehr klar, was Einschaltquoten bringen soll und nur darum geht es aus rein geschäftlichen Gründen. Also dominieren blutrünstige Kriminalfilme, Krimiserien aller Art, Gangster- und Actionfilme, Agententhriller, Fantasyspinnereien, Weltuntergangsszenarien, Clipshows, Quizshows, Kochshows, seichteste Unterhaltung und ewig die gleichen Talkrunden mit immer den gleichen Typen und ausschließlich auf political correctness getrimmten Moderatoren. Dies alles hat scheinbar das Ziel, die breite Masse, das unbedarfte Zuschauervolk, in sediertem Dämmerschlaf zu halten, auf dass nur niemand aus der wohlig-bräsigen Dumpfheit erwacht und vielleicht sogar mal wieder zu denken beginnt, sich eventuell sogar an die wirklichen Werte unserer wunderbaren Kultur erinnert. So also kommen Werke wie „Der Stechlin“ bei den Programmstrategen kaum in Betracht, denn sie würden ohnehin nur einen klitzekleinen (unbedeutenden) Teil der Zuschauer erreichen. – Mit dieser meiner Meinung mag ich falsch liegen. Sei es drum. Ich bin gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, wenn man nachvollziehbare und schwerer wiegende Argumente beibringen könnte.
    Umso mehr freue ich mich über Deine Kommentierung mit der vollig berechtigten Frage. Mit Dank dafür grüßt
    Syrdal

  • Einfach Wunderbar!!
    gepostet von geschrieben von  w Sirona  (77) am 21.05.2017 09:13

    Syrdal, ich kann mich Clematis nur anschließen. Die von Dir verfasste Ballade erinnert sehr stark an Fontane und hat mich sehr berührt. Beim Lesen der ersten Zeilen dachte ich dass es eine Ballade von Fontane sei und war wirklich überrascht einen anderen Verfasser zu lesen. Wunderbar!

    Vor einigen Tagen habe ich mir wieder einmal die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ aus dem Schrank geholt und bin in Gedanken mit Fontane auf Wanderschaft.

    Tja, liebe Clematis, warum sieht man keine Literaturfilme mehr? Was derzeit über fast alle Kanäle läuft ist haarsträubend. Oft suche ich bei YouTube nach einer Alternative zum TV-Programm.

    Sirona

  • #Sirona
    gepostet von geschrieben von  m Syrdal  (75) am 23.05.2017 01:50

    Mit ehrlichem Dank lese ich Deine Gedanken zum Gedicht vom roten Hahn im Stechlin und bin freilich erfreut, dass es Dich erreicht hat und Dir auch gefällt. Manchmal frage ich mich, ob es in unserer reizüberfluteten hektischen Zeit überhaupt noch angebracht ist, derart lange Geschichten-erzählende Gedichte zu formulieren. Und doch... ich tue es weiterhin, solange mir dies möglich ist.
    Dir, liebe Sirona, wünsche ich ein vergnügliches Eintauchen in Fontanes wunderbare Welt, die er wie kaum ein anderer in bildvermittelnder Beschreibung zu "malen" wusste. Kein noch so aufwändiger Fernsehbericht könnte auch nur im Entferntesten das darstellen, was Fontane mit seinen unerreichten Wortmalereien im Innern des Lesers seiner Natur- und Gesellschaftsbeschreibungen meisterlich zu erzeugen vermag.
    Es grüßt
    Syrdal

  • einrücken
    Re: #Sirona
    gepostet von geschrieben von  w Sirona  (77) am 23.05.2017 08:40

    Kein noch so aufwändiger Fernsehbericht könnte auch nur im Entferntesten das darstellen, was Fontane mit seinen unerreichten Wortmalereien im Innern des Lesers seiner Natur- und Gesellschaftsbeschreibungen meisterlich zu erzeugen vermag. (Zitat Syrdal)

    Dem stimme ich unbedingt zu!
    Bei YouTube fand ich Videos von Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Bei Szenen, in denen die einzigartige Landschaft gezeigt und dazu Fontanes Worte gesprochen werden, erahnt man die Atmosphäre die Fontane zu seiner Dichtung angeregt hat.
    Er ist in der Tat ein meisterhafter Erzähler, der Land und Volk akribisch beobachtet und analysiert hat. Dabei hat er manche Texte mit einem unterschwelligen Humor bzw. einer gewissen Ironie bedacht.

    Lasse Dich nicht beirren, lieber Syrdal, und lasse Deine Seele auch weiterhin sprechen. Es gibt mit Sicherheit einige Leser die ihre Freude an Deiner Dichtkunst haben, diese aber nicht in Worten auszudrücken vermögen.

    LG Sirona



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