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Die Ohrenbeichte

von  m Willy  (72) am 14.12.2016 (Artikel wurde seitdem 119x gelesen)
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Die Ohrenbeichte
Ich habe selbstverständlich für die Nöte und kleinen Sorgen meiner Gattin ein offenes Ohr und bin immer bemüht sie in jeglicher Form zu unterstützen. So helfe ich beim Fensterputzen oder Staubwischen, indem ich ihr die noch verbliebenen Schmutzpartikelchen anzeige oder die von ihr abgenommenen Gardinen handlich zusammen falte, die sie dann bequem zur Waschmaschine ins Bad tragen kann.
Ich schaue ihr auch ganz gern nur einfach zu. Was mich immer ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt, ist; wenn sie aus einer inneren Eingebung heraus alle Gläser und das große (ererbte) Porzellanservice aus den Anrichten holt - zwecks gründlicher Reinigung.
In einer Schüssel, wohlgemerkt!
Eine Geschirrspülmaschine halten wir, schon wegen des hohen Stromverbrauches, für total überflüssig.
Also Gläser reinigen; ein Mann würde sich für selten anfallende, aber notwendige Arbeiten (so er kein Liedrian ist) einen Terminplan machen und sich streng daran halten.
Ich würde jedenfalls so handeln!
Meine Frau behauptet, sie brauche dafür keinen Plan, hätte es im Gefühl, wenn der Zeitpunkt heran wäre. Sie ist sonst keineswegs so stur, ist eher einsichtig, aber in dieser Beziehung war mein Bemühen ein Haschen nach Wind.
Sie hat es im Gefühl! Ha, ich habe es auch im Gefühl; nämlich wenn im Herbst das Wetter umschlägt.
Da bekomme ich eine Art Migräne, liege den ganzen Tag flach, mit einem Wickel um den Kopf, der halbstündlich neu- mit genau temperierten Wasser- benässt werden muss. Ein zweites Thermometer (das andere benutzt „SIE“ in der Küche) ermöglicht mir die exakte Überprüfung.
Es passiert, dass durch Nachlässigkeit, das Wasser nicht die notwendige Temperatur hat und demnach erneuert, sprich von meiner Frau nochmals aufgewärmt werden muss.
Obzwar meine Gesundheit hätte, Schaden nehmen können - nie bekam, mein kleines Dummerchen, so nenne ich sie manchmal liebevoll, deshalb einen Vorwurf zu hören. Natürlich kommt man nicht umhin Mängel u.ä. anzusprechen, schon um Wiederholungen auszuschließen. Da wird ein Lernprozess in die Gänge gebracht! Ein Partner leistet dem anderen Partner notwendigerweise 1. Hilfe!
Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Schlüsselwort - wie sich sehr wohl auch am nachstehenden Beispiel erklärt.
Da ich gern die verschiedenen im Handel vorrätigen Biersorten ausprobiere, erleichtere ich meiner Frau den Einkauf dadurch, dass ich ihr ganz präzise beschreibe, welcher Sorte ich diesmal den Vorzug gebe und welche Verkaufsstelle sie lagert.
Zugegeben sind für sie manchmal weite Wege zu gehen, auch die Flaschen mögen ihr Gewicht haben, aber dafür ist sie an der frischen Luft und kräftigt ihren Körper.
Im 3. Stock angelangt, wo wir unsere bescheidene Bleibe haben, ist sie manchmal etwas außer Puste, aber als Kavalier nehme ich ihr sofort den Beutel mit dem Bier ab und überprüfe, da ich sehr ordnungsliebend bin, ob Sorte und Anzahl mit meinem Auftrag übereinstimmen.
Hat sie, das kommt aber selten vor, etwas verwechselt, mache ich ihr keine Vorhaltungen, sondern gebe mich damit zufrieden, dass sie sich sofort (von selbst) auf den Weg macht, um den kleinen Patzer zu egalisieren.
Ist alles in Ordnung, verkoste ich die erste Flasche, danach schaue ich kurz in die Küche. Meine Frau besteht nämlich darauf, dass ich die von ihr gekauften Lebensmittel vor ihrer Verwendung oder Einlagerung überprüfe. Verfallsdatum, Einhaltung des angegebenen Gewichts und die Frische, sind hierbei die wichtigsten Kriterien.
Es dauerte etwas bis meine Frau gelernt hatte schon beim Einkauf auf eben diese Dinge zu achten, aber jetzt brauche ich kaum noch Artikel zum Umtauschen aussortieren. Passiert es, kann sie alles Notwendige, so es sich nicht um leichtverderbliche Ware handelt, auch erst am Folgetag erledigen.
Da ich in der Regel, wenn auch bloß stichprobenartig - Artikel nachwiege, mir für mein privates Archiv Notizen mache, (sie werden später ausgewertet und ausführlich zusammen besprochen) nimmt dies doch ein gutes Viertelstündchen in Anspruch.
In der Zwischenzeit hat meine Frau Kartoffeln geschält und das Gemüse geputzt. Auch darauf werfe ich einen Blick. Meistens ist nichts zu beanstanden. Wo doch - sortiere ich aus und für sie ist es nun ein Leichtes die notwendigen Nacharbeiten zu tätigen.
So arbeiten wir Hand in Hand und habe ich das Meinige für eine schmackhafte Mahlzeit getan, gönne ich mir in unserer bequemen Sitzecke vor dem Fernseher solange eine kleine Verschnaufpause, bis mein Goldstück den Tisch deckt und das Essen serviert.
Ich mag es vom vorgewärmten Teller zu speisen, spüre fast so etwas wie Weihnachtsstimmung, wenn ich das blitzblanke Essbesteck aus der Krepppapier-Ummantelung herausschäle.
Nach dem Mittagessen ist es mir liebe Gewohnheit ein kleines Schläfchen zu halten und meine Frau, rücksichtsvoll, wie sie ist, geht - um meinen wohlverdienten Schlaf nicht zu stören - wie ein Mäuschen auf Zehenspitzen umher.
Nachmittags trinken wir Tee, das heißt meine Frau, ich selbst ziehe natürlich Hopfensaft vor.
Aus rein prophylaktischen Gründen; ich sage nur „Prostata“!
Früher hatte meine Frau die Angewohnheit Bohnenkaffee in sich hinein zu schütten, aber mit Geduld und Spucke, wie man so sagt, konnte ich sie überzeugen, auf die viel gesünderen Kräutertees umzuwechseln. So wird auch da etwas für die Gesunderhaltung des Körpers getan und nebenbei sparen wir noch Geld.
Als ehemaliger Beamter habe ich eine ganz ordentliche Pension, aber meine Frau nur eine sehr bescheidene Rente und so können wir uns keine großen Sprünge leisten.
Wo Andere im Ausland für teures Geld Urlaub machen, ziehen wir unseren Schrebergarten vor.
Dort ist alles was wir benötigen und während ich bei schönem Wetter, sozusagen in Gottes freier Natur, im Liegestuhl von meinem Tagewerk entspanne, findet meine Frau bei der Gartenarbeit ihren verdienten Ausgleich.
Ich schaue den bunten Schmetterlingen nach, lausche den Gesang der Vögel aus Baum und Busch, lasse mich vom Blüten und Blumendüften umschmeicheln und; behalte natürlich auch meine Frau im Auge, dass ihr nichts Arges widerfährt.
Einmal nämlich, da hatte irgendwer einen Holzrechen auf der Wiese liegen lassen. Meine Gute, seitdem nenne ich sie manchmal im Scherz „Miss Ungeschick“, trat darauf und hätte sich fast ein Auge am emporschnellenden Rechenstiel ausgeschlagen.
Sie trug aber nur eine Platzwunde an der Stirn davon, die leider ziemlich stark blutete, und ich kann doch kein Blut sehen!
Und bin, peinlich, peinlich, in Ohnmacht gefallen. Dummerweise hatte unsere nichtsnutzige Gartennachbarin meinen „Umfaller“ gesehen und den Bereitschaftsdienst gerufen, da sie annahm, ich hätte eine Herzattacke. (Blöde Kuh - ich war damals 40; ein Mann wie ein Baum ...!)
Meine Frau war zuvor in unseren Bungalow geeilt, um ihre kleine Wunde zu versorgen; hatte kein Jota mitbekommen, was mir passierte. Dabei wusste sie, dass ich Blut nicht ersehen kann, diesbezüglich allergisch reagiere... Sie hätte dies sehr wohl bedenken müssen... Nun gut - Schwamm drüber!
Ich war, als der Krankenwagen kam, gerade wieder auf den Beinen, aber noch etwas benommen. Meine bessere Hälfte mit einem Riesenpflaster an der Stirn erschien wieder auf der Bildfläche, schaute wie ein drehkrankes Schaf auf den Krankenwagen und die Ansammlung von Neugierigen, die unseren gepflegten Rasen mit ihren Plattfüßen zertrampelten.
Wäre es ihr, trotz der langen Leitung, die sie manchmal hat - nicht doch gelungen sich einen Reim darauf zu machen, die Weißkittel hätten mich ins Krankenhaus verschleppt; mir vielleicht eine Leber entfernt. Man hört doch von solchen Dingen!
Nun ja; zu den Nachbarn ringsum, auch zu denen im Hause, haben wir ansonsten ein gutes Verhältnis, aber als ehemaliger Beamter weiß ich doch etwas Distanz zu schätzen.
Es genügt doch sehr wohl, wenn meine Frau sich mit den Nachbarsleuten freundlich grüßt, wozu also noch großer Kaffeeklatsch in Haus und Garten. Das führt nur zu übler Nachrede und womöglich wird man noch in die Zankerei anderer verwickelt. Muss einen Rechtsverdreher bemühen, der dann den Fall wie ein Gummiband in die Länge zieht; um richtig abzuzocken.
Da könnte ich mein Geld ebenso gut beim Skat oder auf der Pferderennbahn lassen. Apropos Skat!
Trotz meines Distanzverhaltens bin ich beileibe kein Eigenbrötler! Freitags ist in der Gartenkantine immer Skat. Zwar spiele ich selbst nicht mit, aber ich verwalte die Kasse und gebe den Spielern wichtige Hinweise.
Mein „Bestes Stück“ sieht diese Abende nicht allzu gern, hat keinen Bock mich zu begleiten, aber ich bitte... Niemals würde ich sie zu etwas zwingen, was sie nicht selbst möchte.
Sie sieht dann Fern-Programm nach eigener Wahl. Serienkitsch; zum Mitheulen ...
Sonst nämlich, das ist so abgesprochen, bin ich für die Auswahl der Programme verantwortlich. Beiden Seiten gerecht zu werden ist ein schwieriges Unterfangen, dass in der Vorbereitung viel Zeit und Überlegung erfordert. Voller Stolz kann ich durchaus sagen; ich bin den Anforderungen immer gerecht geworden. Jedenfalls beschwerte sich meine kleine Schusselmaus niemals...
Wir sehen natürlich viel Fußball. Meine Frau begeistert dies ebenso wie mich; würde sie sonst mit mir zuschauen?!
Ich erkläre ihr auch öfter diese und jene Regel, aber sie hat kein Köpfchen dafür; vergisst alles ihr mühsam von mir Beigebrachte.
Manchmal mache ich mir den Spaß sie nach diesem und jenen abzufragen. Sie bekommt sofort rote Hektikflecke an Hals und Gesicht und stottert herum wie ein Schulmädchen, das ein Gedicht nicht richtig gelernt hat.
„Steter Tropfen höhlt den Stein“, wird ja behauptet und so liegt bei mir doch nicht alle Hoffnung brach.
Jeder soll mit und am Anderen wachsen, ähnlich der Rebe am Weinstock!
Darin sehe ich Aufgabe und heiligste Verpflichtung in einer glücklichen Ehe!
Jedenfalls bis vor kurzen; denn jetzt, nachdem ich sie 40 Ehejahre buchstäblich auf Händen getragen habe, will sie sich von mir scheiden lassen.
Urplötzlich, ohne jegliche Vorwarnung!
Sie macht ernst und ich weiß beim besten Willen nicht, welcher Teufel da in sie gefahren ist.
Können Sie das verstehen?


Willy Rencin

(Die Mini ist meinen Buch "Himmliches Vesper" entnommen.











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  • oh,
    gepostet von geschrieben von  w APet  (68) am 14.12.2016 18:21

    das nimmt ja ein tragisches ( oder gutes) Ende!!! Dann war es doch nicht die grosse wahre Liebe...
    Beim Lesen habe ich mir noch gedacht, ob der Willy wohl die Geschichte auch aus der Sicht der Frau schreiben könnte?
    Lieben Gruss, Agathe

  • zu oh,
    gepostet von geschrieben von  m Willy  (72) am 14.12.2016 19:47

    Die würde schwierig- ist ja eine sehr übertriebene Satire. Eine andere Sache habe ich aber aus der Sicht einer Frau erzählt, die ein ähnliches Miststück von Mann hat.
    Ich stelle sie mal bei Gelegenheit ein und sage Bescheid.
    LG
    Willy

  • Hallo Willy
    gepostet von geschrieben von  w koala  (73) am 17.12.2016 12:12

    Warum hat die Frau keine Fliegenpilze gesammelt und ihm liebevoll angerichtet. Das haette die Scheidungskosten erpsart.
    LG Koala/Queensland

  • zu Koala
    gepostet von geschrieben von  m Willy  (72) am 17.12.2016 12:46

    Da wäre sie gut beraten gewesen. Wäre es keine Satire- wo Übertreibungen statthaft sind, müsste man sich sowieso fragen, wie eine Frau einen solchen Mann - überhaupt willens war- 40 Jahre lang zu ertragen.
    Ich wünsche ein schönes Wochenende und
    b.G.
    Willy

  • Willy
    gepostet von geschrieben von  w koala  (73) am 18.12.2016 09:39

    In jeder Satire steckt ein Fuenkchen Wahrheit.

    Doch auch Fauen, wenn auch nur weniger vorkommend und nicht so perfekt koennen aehnliches ganz gut.
    Schade, dass meine Fantasie nicht so flexibel ist. Sonst wuerde ich mich an Deine Satire anhaengen und in dritter Person ueber meinen Angetrauten schreiben, bei dem ich die Oberhand haette.
    LG Koala/Queensland

  • zu Koala
    gepostet von geschrieben von  m Willy  (72) am 18.12.2016 11:37

    Ich glaube, das würde eine gute Geschichte- schreibe sie einfach
    auf und beim Schreiben meldet sich Fantasie dann wie von selbst zu Wort.Du brauchst ja nicht so überspitzen wie ich, ein Schuss Realität kann sicher nicht schaden.
    b.G.
    W.



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