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Sächsischer Sprachgebrauch

von  m Willy  (72) am 20.11.2016 (Artikel wurde seitdem 79x gelesen)
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Sächsischer Sprachgebrauch
Es gibt ja für Sächsisch Wörterbücher.
Aber Sächsisch ist eben nicht gleich Sächsisch. Der Leipziger z. B. spricht ein breites, mit sehr einfach gestricktem Satzbau.
Im Raume Dresden - für mich das wahrhaft sächsische Mutterland- hat alles einen mehr intellektuellen Anstrich, wirkt viel lebendiger und die Phonetik ist eine vollkommen andere. Hat wie eine Zwiebel mehrere Häute - ist also sehr vielschichtig und deshalb auch wohlklingender.
Um die Dresdner Dialekt zu verstehen, braucht der aus einem anderen Sprachraum Kommende, weder Wörterbuch, noch sonstige Unterweisung.
Er merkt zuerst, dass sich einer gewissen Wortverkürzung bedient wird, das ist ihm ungewohnt. Dann geht ihm aber der Seifensieder auf.
Er merkt, der Sachse tut dies nicht aus Bequemlichkeit, sondern der Sachse kann durch diesen Kunstgriff in einem Satz mehr mitteilen, als andere in drei Sätzen.
Würden zum Beispiel die Schriftsteller - sich des Sächsischen bedienen, ihre Romane hätten nur noch die Länge einer Erzählung.
Die Nachrichtensprecher im Fernsehen könnten in einem Drittel der Zeit alles Notwendige vermitteln.
Solcherart Gedanken gehen dem Fremdsprachigen durch den Kopf. Tiefe Scham ergreift ihn, wegen seiner Vorurteile die er gegen diese Sprache hegte. Seine eigene Sprache kommt ihm nun umständlich, viel wenig ausdrucksstark, ja primitiv vor.
Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen. Ein Fremdsprachiger begegnet einer Gruppe Kinder die mit einem Ball unterwegs sind. „Wo soll es denn hingehen, Kinder?“ fragt er.
„Mir geh’n Bebbl`n“, ist dann meist die Antwort.
In die langatmige Hochsprache übersetzt hieße das; 'Wir gehen Fußballspielen!'
Also ausschließlich Fußball. Bei Handball oder anderen Ballspielen, würden sich die Kinder der sogenannten deutschen Hochsprache bedienen, da das Sächsische
kein Äquivalent dafür hat.
(Schon die Sachsenkinder sind sehr gebildet und tummeln sich, sowohl in der Hochsprache, wie auch im Sächsischen, munter wie die Fischlein im Wasser von Deutschlands schönstem Strom- der Elbe.)
Zählen wir die verwendeten Buchstaben, so sind es (in sächsisch) zum einen 14, zum anderen, in der sogenannten Hochsprache, 22!
Effektiver geht es nicht!
Gliedern wir die Worte auf stellen wir unschwer fest, dass die Kinder anstelle des Pronomens ' wir' das Pronomen 'mir' gebrauchen.
Dies ist aber keine Verwechselung, wie beispielsweise bei den Preußen, die unfähig sind mir und mich richtig anzuwenden.
Mir und mich sind schon von der Phonetik her grundverschieden; ein normaler Mensch kann sie einfach nicht verwechseln. Die Pronomen wir und mir haben diese Abgrenzung aber keineswegs.
Da verwechselt der Sachse auch nichts, sondern vereinfacht ganz bewusst, der jeweiligen Situation angemessen. In anderen Fällen zieht er durchaus den Plural vor- und weiß ihn auch richtig zu gebrauchen.
Das 2. Wort „geh’n ist auch anderwärts im Sprachgebrauch und muss nicht besonders erklärt werden.
Das letzte Wort „Bebbl“n, (der Leipziger verfärbt es phonetisch unschön zu „Bäbbl’n) ist ein rein sächsisches Kunstwort, wie es deren etliche gibt.
Der im Beispiel genannte Fremdsprachige versteht aber sofort, da er den Ball in den Kinderhänden sieht. Hört er es später anderorts im Gespräch, eventuell in ganz anderem Zusammenhang- sieht er vor seinem geistigen Augen den Ball in Kinderhand und begreift mühelos, selbst bei unterdurchschnittlichem Intelligenzquotienten.
Noch ein kleines Beispiel, da es nicht nur die humorvolle Art der Sachsen verdeutlicht, sondern die Bildhaftigkeit dieser wahrhaft grandiosen Kultursprache.
Anderwärts sagt man zum Beispiel-„ Ich habe Kopfschmerzen“!
Der Sachse liebt es in Bildern zu sprechen und sagt statt dessen ; „ Mir tut de Rübe weh“!
Das Pronomen mir muss und wird hier wie in der Hochsprache verwendet!
Aus dem Artikel „die“ macht er ein ebenso eindeutiges und aussagekräftiges „de“, und - ein Buchstabe ist eingespart.
Lassen wir nun die beiden Sätze auf uns wirken. Auf dem ersten Blick sind die Aussagen identisch. Man hat Schmerzen, vielleicht gar heftige.
Die Hochsprache drückt es auch so aus - zeichnet das Bild eines Leidenden, eines Unglücklichen - also ein sehr pessimistisches.
Wie anders der Sachse. Da kommt es leger und locker.
Schon das Wort „Rübe“ anstelle von „Kopf“ nimmt der Aussage das Miesepetrige, ein humoriger Unterton schwingt da mit.
Man denkt an die Zuckerrüben im freien Feld, wie ihre grünen Blätter vom lauen Sommersonnenwind geschaukelt werden, an bunte Schmetterlinge, Blumen, vielleicht an ein Häschen, dass vorbei- hoppelt....
Der Sachse bringt zum Ausdruck ;Es gibt Schlimmeres als meine Kopfschmerzen (z.B. Preußen).
Schmerzen vergehen. Bald bin ich wieder obenauf!
Das Leitmotiv aller Sachsen „Wir lassen uns nicht unterkriegen“ wird selbst in dieser Situation ausgedrückt. Ich glaube selbst auf dem Sterbebett, würde der Sachse noch sagen: „Hoffen wir, dass es bei meiner Beerdigung nicht regnet. Ich mag nicht – wenn es so auf den Sargdeckel trommelt“ oder etwas in dieser Richtung.
Hier fällt mir ein Gedicht ein, dass nicht ganz stimmig zum Gesagten ist, aber etwas vom urwüchsigen Humor der Sachsen vermittelt.

Valet

Jetzt sage ich der Welt Valet; schon bald geht’s in die Urne
Der Ofen ist schon angeheizt; mein Pappsarg steht ganz vorne
Hinein ins Licht, wie wird mir heiß; schon schmoren mir die Haare
Zu Ruß wird Leichenhemd, samt Sarg, der ach, so wunderbare
Ich brenn wie Zunder, fackle ab, die Feuerfunken stieben
Dann ist es aus (der Rost ist leer!)
Nur Asche ist verblieben...
 
PS.
(Dieses literarisch sehr hochwertige Gedicht verfasste mein Freund Hans- Klaus Philip, der sich aber in der Öffentlichkeit Jean-Claude Philipe nennt und bei Bookrix hin und wieder als Yatman Verse, Kurzgeschichten und Zeichnungen veröffentlicht.)
 

Nachgestelltes

Den Sachsen wird oft eine „lange Leitung“ nachgesagt. Das stimmt natürlich nicht. Der Sachse nimmt sich bloß etwas Zeit zum Überlegen, wie er wo - und was er sagt.
Anstatt wild darauf los-zuplappern, sollten sich die Bewohner anderer Sprachräume daran ein Beispiel nehmen.
Leider wird das „Sächsische“ durch Wörter- die uns aus anderen Sprachräumen aufgezwungen wurden - zunehmend verwässert. Ich spreche nicht von den vielen englischen Schlagworten oder dem meist unnötigen Gebrauch von Fremdwörtern; die werden von Dummköpfen verwendet, die leider Gottes überall zu finden sind, selbst bei uns, wo sie aber eine unbedeutende Minderheit darstellen.
Wovon ich spreche sind Worte, die dem sächsischen Sprachgebrauch fremd sind, die wir jedoch gebrauchen müssen - um anderen verständlich zu machen - was wir wünschen.
Lassen sie mich etwas ausholen. In Sachsen trinkt man öfters als anderswo Kaffee.
Früher gab es bei uns in jedem Restaurant, für die Gäste die Möglichkeit, anstelle einer Tasse - ein Kännchen Kaffee zu bestellen. Man bekam dann ein kleines Tablett, mit dem Kännchen, welches nicht ganz zwei Tassen fasste. Zuckerdose und Sahnekännchen standen meist schon auf dem Tisch. In dem Kännchen blieb der Kaffee länger warm, behielt sein Aroma und war bequem einteilbar. Es sah auch einfach irgendwie nett aus. Es gab da Kännchen aus silbrig glänzenden Metall, , kunstvoll verzierte, bemalte aus Steingut oder Porzellan.
Dann wurden beide deutsche Staaten zusammengelegt, zur Freude der meisten Sachsen, die nicht wenig dafür getan hatten.
In die Gaststätten kamen neue Inhaber, die Handhabung mit den Kännchen war denen viel zu unökonomisch - also ließ man sie sang - und klanglos in der Versenkung verschwinden.
Heute gibt es dafür Kaffee im Pott. Von der Scheußlichkeit und der Primitivität des Aussehens ganz abgesehen, schmeckt das Gebräu darin oft - wie der dritte Aufguss.
Das Wort „Pott“ ist dem sächsischen Sprachraum immer fremd gewesen. Es entstammt den Ost/Nordseeregionen und höre oder sehe ich das Wort- habe ich sofort den Geruch von angegangenen Fisch in der Nase - und das Kaffeetrinken ist mir verleidet.
Das sind kleine Wehwehchen mit denen wir schon noch fertig werden. Denn der Sachse lässt sich nicht unterbuttern.
Niemals! Nie- und nimmer!
[size=16][/size]

Ende

Willy Rencin


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