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Hascheffekt Journalismus


  • Hascheffekt Journalismus
    geschrieben von heigl am 24.10.2015 09:38

    Sicher, wir brauchen und haben frei Medien.

    Über deren Anzahl und Gerangel gegeneinander kann man schon streiten.

    Was ich aber seit längerer Zeit feststelle, ist dieses:

    Was Nun, Herr oder Frau Sowieso

    läuft verbissen ab.

    Zu häufig wird dem Interviewten ein Satz aus seiner Parteienlandschaft vorgelesen um ihn in Verlegenheit zu bringen, zu provozieren. Wenn er sich nicht reinlegen lässt, wird es bis zu zwei weiteren malen ähnlich versucht. Weitere Aspekte, die den Zuseher interessieren bleiben dadurch aussen vor.

    Partner, die das durchschauen und dem Publikum life erklären, sind nicht häufig, viele flüchten sich dann in Pauschalsätzen, die man schon irgendwo gehört hat.
    Ich denke das Publikum, also wir, haben, besonders bei öffentlich rechtlichem TV Anspruch auf souveräne Gesprächsführung und Fakten, dürfen auch mal neue sein.

    Ich weiss, hier verhallt das, gehört vielleicht gar nicht hierher.

    Autor:  m heigl
    Beiträge 5255
     
  • Re: Hascheffekt Journalismus
    geschrieben von Federstrich am 24.10.2015 18:51 als Antwort auf heigl vom 24.10.2015 09:38

    Hallo heigl, es verhallt nicht. Ich hab's gelesen.

    Was Du beschreibst, haben bestimmt viele öffentlich und innerlich auch schon beklagt: die mangelnde Diskussionskultur, das Nicht-Zuhören-Können/Wollen, das ständige Unterbrechen, die hingeworfenen Halbsätze, Platitüden, Worthülsen, die bewußte oder unbewußte Grenzverschiebung des Themas. Man sieht es nicht nur im Fernsehen, sondern auch bei alltäglichen Gesprächen.

    Über die Gründe habe ich innerlich auch schon öfter orakelt und bin m.E. fündig geworden, auch weil die Medien - zuweilen unfreiwillig oder/und zähneknirschend - die Gründe selbst anführen. Meine Antwort heißt: der Hascheffekt Journalismus ist nicht ohne den "Hascheffekt Mensch" zu denken, denn die Journalisten sind ja oft die Getriebenen - der Zuschauer. Und "der" Zuschauer (d.h. die große Masse) möchte am liebsten Bestätigung und Unterhatung.

    Nichts fürchten gerade TV-Journalisten mehr, als wenn ihnen "Gelaber" und mangelder Unterhaltungswert attestiert wird. Das aber geschieht, wenn es zu sehr in die Tiefe geht, wenn Diskutanten ihre Gedanken darlegen und begründen, wenn sich ein wirkliches Gespräch entwickelt. Was gefragt ist, sind "knackige" Statements, der schnelle Schlagabtausch, gern auf der Basis, die gemeinhin als "allgemein bekannt" vorausgesetzt werden kann. Das kann dann schnell weiterverwertet werden. ("Haste Politiker X, etc. gehört, als der meinte..."). Differenziertere Darstellungen erfordern dann schon mehr Mühe.

    Gespräche, bei denen es wirklich interessant wird, weil mal ins Detail gegangen wird, anstatt Sprechblasen abzulassen, sind folglich unerwünscht. Das wissen die Entscheider offensichtlich oder vermeintlich. Abwiegelnde Sätze des Moderators dafür beginnen dann oft mit "Aber wir sind ja hier nicht bei/in...(z.B. in einer Expertenkommission)"; "Ich glaube, das führt jetzt zu weit/in die Tiefe....". Aber genau hier fängt es ja für andere Zuschauer an interessant zu werden. (Wobei natürlich unter "interessant" und "neu" auch jeder etwas anderes versteht.)

    Talkshows dienen der oberflächlichen Unterhaltung. Es soll eigentlich nicht erklärt, sondern unterhalten werden. Sie basieren auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Zielgruppe, und der ist eben oft ein wenig fad.

    Ich habe das Format "Was nun, ...(Herr Seehofer)" auch gesehen ( das sich nicht grundlegend von einer Talkshow unterscheidet) und habe eine ambivalente Haltung dazu. Auf der einen Seite finde ich es richtig, dass Leute wie er auch an Sätze aus den "Heimspielen" erinnert und diese auf ihre Belastbarkeit geprüft werden. Obwohl ich Adenauer sehr schätze, darf sein Diktum vom "Geschwätz von gestern" kein Maßstab sein. Andererseits weiß ich aber wie du, dass diese Konfrontation mit früheren States natürlich mit Blick auf das Publikum und die Quote gerne so gemacht wird.

    Ich habe mir angewöhnt, solche Sendungen so einzuordnen, wie sie es verdienen. Neue Einsichten sind dort meist nicht zu erwarten, "Politiker-Sprech" aber schon.

    Autor:  m Federstrich
    Beiträge 1315
     
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