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  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Wolkenschieber am 13.06.2017 13:37 als Antwort auf Sirona vom 13.06.2017 11:15



    Der sprachlose Papagei

    Ein Kaufmann einen Papagei vor Jahren
    besaß, in Sang und Rede wohl erfahren.
    Der saß als Wächter an des Ladens Pforte
    und sprach zu jedem Kunden kluge Worte.
    Denn wohl der Menschenkinder Sprache kannt' er,
    doch seinesgleichen Weisen auch verstand er.
    Vom Laden ging nach Haus einst sein Gebieter
    und ließ den Papagei zurück als Hüter.
    Ein Kätzlein plötzlich in den Laden sprang,
    um eine Maus zu fangen; todesbang,
    flatterte hin und her der Papagei
    und stieß ein Glas mit Rosenöl entzwei.
    Von seinem Hause kam der Kaufmann wieder
    und setzte sorglos sich im Laden nieder.
    Da sah er Rosenöl allüberall,
    im Zorn schlug er das Haupt des Vogels kahl.
    Die Zeit verstrich, der Vogel sprach nicht mehr.
    Da kam die Reu', der Kaufmann seufzte schwer.
    Raufte sich den Bart und rief: "Weh mir umsponnen
    ist mit Gewölk die Sonne meiner Wonnen!
    Wär' mir, da auf den Redner ich den bösen
    Schlag ausgeführt, doch lahm die Hand gewesen!"
    Wohl gab er frommen Bettlern reiche Spende,
    auf daß sein Tier die Sprache wiederfände;
    umsonst! Als er am vierten Morgen klagend,
    in tausend Sorgen, was zu machen sei,
    daß wieder reden mög' sein Papagei,
    ließ sich mit bloßem Haupt ein Büßer blicken,
    den Schädel glatt wie eines Beckens Rücken.
    Da hub der Vogel gleich zu reden an
    und rief dem Derwisch zu: "Sag lieber Mann,
    wie wurdest Kahlkopf du zum Kahlen? sprich!
    Vergossest du vielleicht auch Öl wie ich?"
    Man lachte des Vergleichs, daß seine Lage
    der Vogel auf den Derwisch übertrage.

    Dschalal ad-Din Muhammad Rumi
    (1207 - 1273)

    Autor:  w Wolkenschieber
    Beiträge 1837
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Roxanna am 17.06.2017 14:23




    Von schönen Lippen fortgedrängt

    Von schönen Lippen fortgedrängt, getrieben
    Aus schönen Armen, die uns fest umschlossen!
    Ich wäre gern noch einen Tag geblieben,
    Da kam der Schwager schon mit seinen Rossen.

    Das ist das Leben, Kind! ein ewig Jammern,
    Ein ewig Abschiednehmen, ew'ges Trennen!
    Konnt' denn dein Herz das mein'ge nicht umklammern?
    Hat selbst dein Auge mich nicht halten können?

    Heinrich Heine

    Autor:  w Roxanna
    Beiträge 7902
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Clematis am 20.06.2017 09:35 als Antwort auf Roxanna vom 17.06.2017 14:23

    Rosen(Clematis)


    Das Rosen-Innere

    Wo ist zu diesem Innen
    ein Außen? Auf welches Weh
    legt man solches Linnen?
    Welche Himmel spiegeln sich drinnen
    in dem Binnensee
    dieser offenen Rosen,
    dieser Sorglosen, sieh:
    wie sie lose im Losen
    liegen, als könnte nie
    eine zitternde Hand sie verschütten.
    Sie können sich selber kaum
    halten; viele ließen
    sich überfüllen und fließen
    über von Innenraum
    in die Tage, die immer
    voller und voller sich schließen,
    bis der ganze Sommer ein Zimmer
    wird, ein Zimmer in einem Traum.

    Rainer Maria Rilke
    4. 12. 1875-29. 12. 1926

    Clematis

    Autor:  w Clematis
    Beiträge 3646
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Clematis am 22.06.2017 08:02 als Antwort auf Clematis vom 20.06.2017 09:35

    Brunnen(Clematis)


    Der Brunnen im Kloster Hirsau

    Der römische Brunnen

    Aufsteigt der Strahl und fallend giesst
    er voll der Marmorschale Rund,
    die, sich verschleiernd, überfliesst
    in einer zweiten Schale Grund;
    die zweite gibt, sie wird zu reich,
    der dritten wallend ihre Flut,
    und jede nimmt und gibt zugleich
    und strömt und ruht.

    Conrad Ferdinand Meyer
    1825-1898

    Welch eine Philosophie in diesem kleinen Gedicht!

    Clematis

    Autor:  w Clematis
    Beiträge 3646
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Roxanna am 23.06.2017 08:54 als Antwort auf Clematis vom 22.06.2017 08:02



    Abseits

    Es ist so still; die Heide liegt
    Im warmen Mittagssonnenstrahle,
    Ein rosenroter Schimmer fliegt
    Um ihre alten Gräbermale;
    Die Kräuter blühn; der Heideduft
    Steigt in die blaue Sommerluft.

    Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
    In ihren goldnen Panzerröckchen,
    Die Bienen hängen Zweig um Zweig
    Sich an der Edelheide Glöckchen;
    Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
    Die Luft ist voller Lerchenlaut.

    Ein halbverfallen niedrig Haus
    Steht einsam hier und sonnbeschienen;
    Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
    Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
    Sein Junge auf dem Stein davor
    Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

    Kaum zittert durch die Mittagsruh
    Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
    Dem Alten fällt die Wimper zu,
    Er träumt von seinen Honigernten.

    Theodor Storm

    Autor:  w Roxanna
    Beiträge 7902
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Clematis am 25.06.2017 07:32 als Antwort auf Roxanna vom 23.06.2017 08:54

    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!
    Ei, wir tun dir nichts zu leide,
    flieg nur aus in Feld und Heide!
    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!

    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!
    Such in Blüten, such in Blümchen,
    dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen.
    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!

    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!
    Kehre heim mit reicher Habe,
    bau uns manche volle Wabe.
    Summ, summ, summ!
    Bienchen summ herum!

    August Hoffmann von Fallersleben
    1798-1874



    Clematis

    Autor:  w Clematis
    Beiträge 3646
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Sirona am 28.06.2017 10:56



    Einsamkeit
    Hermann von Lingg (1820-1905)

    Wie lang schon trat niemand mehr ein
    in dieses stille Zimmer;
    nur hier das bisschen Sonnenschein
    glänzt heute noch wie immer.

    Und alles ringsum aufgeräumt
    und wie ich's sonst gefunden;
    die Wanduhr nur steht still und träumt
    von längst vergang’nen Stunden.

    Wie still es ist! Nur dann und wann
    der Sommerfliege Summen.
    hier saß ich oft allein und sann
    in innerem Verstummen.

    Entmutigt sein, wenn alles hofft,
    wenn alles lebt, gebunden –
    ich kenne sie, ich hab' sie oft
    gefühlt, die bittern Stunden!

    Autor:  w Sirona
    Beiträge 1932
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Clematis am 02.07.2017 10:17 als Antwort auf Sirona vom 28.06.2017 10:56

    Garten(Clematis)


    Dein ist alles, all der Blumen blühen,
    wenn hervor sie aus dir selber glühen.
    All die Rosenknospen hier auf Erden,
    wenn sie Rosen in dir selber werden.

    Dein ist alles, all der Lieder singen,
    wenn heraus sie aus dir selber klingen.
    Jeder Schlag der Philomele,
    wenn er hallt aus deiner eignen Seele.

    Dein ist alles, was ob Tal und Hügeln,
    lichtvoll sich in dir mag widerspiegeln.
    All die Himmel selbst und selbst die Sterne,
    wenn du Glanz hast für den Glanz der Ferne.

    Dein ist alles, all und jede Wonne,
    wenn sie aufgeht dir als eigne Sonne.
    Jeder Tag vom Licht emporgetragen,
    wenn er aufgeht dir als eignes Tagen.

    Christian Wagner
    5. 8. 1835-15. 2. 1918
    Rosen(Clematis)


    Clematis

    Autor:  w Clematis
    Beiträge 3646
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Roxanna am 05.07.2017 08:50




    Wer vom Ziel nicht weiß

    Wer vom Ziel nicht weiß,
    kann den Weg nicht haben,
    wird im selben Kreis
    all sein Leben traben;
    kommt am Ende hin,
    wo er hergerückt,
    hat der Menge Sinn
    nur noch mehr zerstückt.

    Wer vom Ziel nichts kennt,
    kann's doch heut erfahren;
    wenn es ihn nur brennt
    nach dem Göttlich-Wahren;
    wenn in Eitelkeit
    er nicht ganz versunken
    und vom Wein der Zeit
    nicht bis oben trunken.

    Denn zu fragen ist
    nach den stillen Dingen,
    und zu wagen ist,
    will man Licht erringen:
    wer nicht suchen kann,
    wie nur je ein Freier,
    bleibt im Trugesbann
    siebenfacher Schleier.


    Christian Morgenstern

    Autor:  w Roxanna
    Beiträge 7902
     
  • Re: Schöne Lyrik
    geschrieben von Sirona am 12.07.2017 11:40



    Das menschliche Leben
    Fr. Hölderlin

    Menschen, Menschen! was ist euer Leben,
    eure Welt, die tränenvolle Welt,
    dieser Schauplatz, kann er Freuden geben,
    wo sich Trauern nicht dazu gesellt?
    O! die Schatten, welche euch umschweben,
    die sind euer Freudenleben.

    Tränen, fließt! o fließet, Mitleidstränen,
    Taumel, Reue, Tugend, Spott der Welt,
    Wiederkehr zu ihr, ein neues Sehnen,
    banges Seufzen, das die Leiden zählt,
    sind der armen Sterblichen Begleiter,
    o, nur allzu wenig heiter!

    Banger Schauer faßt die trübe Seele,
    wenn sie jene Torenfreuden sieht,
    Welt, Verführung, manches Guten Hölle,
    flieht von mir, auf ewig immer flieht!
    Ja gewiß, schon manche gute Seele hat, betrogen,
    euer tötend Gift gesogen.

    Wann der Sünde dann ihr Urteil tönet,
    des Gewissens Schreckensreu sie lehrt,
    wie die Lasterbahn ihr Ende krönet,
    Schmerz, der ihr Gebein versehrt!
    Dann sieht das verirrte Herz zurücke;
    Reue schluchzen seine Blicke.

    Und die Tugend bietet ihre Freuden
    gerne Mitleid lächelnd an,
    doch die Welt - bald streut sie ihre Leiden
    auch auf die zufrieden heitre Bahn:
    weil sie dem, der Tugendfreuden kennet,
    sein zufrieden Herz nicht gönnet.

    Tausend mißgunstvolle Lästerungen
    sucht sie dann, daß ihr die Tugend gleicht;
    beißend spotten dann des Neides Zungen,
    bis die arme Unschuld ihnen weicht;
    kaum verflossen etlich Freudentage,
    sieh, so sinkt der Tugend Waage.

    Etlich' Kämpfe - Tugend und Gewissen -
    nur noch schwach bewegen sie das Herz,
    wieder umgefallen! - und es fließen
    neue Tränen, neuer Schmerz!
    O du Sünde, Dolch der edlen Seelen,
    muß denn jede dich erwählen?

    Schwachheit, nur noch etlich' Augenblicke,
    so entfliehst du, und dann göttlich schön
    wird der Geist verklärt, ein bess'res Glücke
    wird dann glänzender mein Auge sehn;
    bald umgibt dich, unvollkommne Hülle,
    dunkle Nacht, des Grabes Stille.

    Autor:  w Sirona
    Beiträge 1932
     
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