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Pokémon Go - nicht nur für Spieler ein spannendes Beispiel für "erweiterte" Welten (augmented reality)  
Beitrag von  m karl  (68) für die Gruppe: Zukunft, die kulturelle Evolution  am 19.08.2016 (470x gelesen)
Margit_Pokemon
Ich habe hier bereits öfters zu dem Thema "augmented reality" geschrieben, s. z. B. Future history, oder Augmented Reality konkret - Vergleich der iPhone-Apps Wikitude, Layar und Junaio.

Nun hat seit knapp einem Monat das Spiel Pokémon Go einen einmaligen, den Globus umspannenden Siegeszug hinter sich und lehrt uns anschaulich, was wir in Zukunft von der Technik der "erweiterten" Welten zu erwarten haben.

Ich werde das Spiel kurz beschreiben, um die Verallgemeinerung verständlich zu machen, um die es mir in diesem Blogbeitrag eigentlich geht: Die "Realität" wie wir sie mit unseren Sinnen erleben werden, wird immer vielschichtiger werden und davon beeinflusst sein, mit welchen "Hilfssensoren" wir uns durch die reale Welt bewegen.

1. Das Prinzip des Pokémon Go Spiels

Der Spieler muss möglichst viele Arten der Fabelwesen, "Pokémons" genannt, mit seinem Smartphone einsammeln. Dies gelingt ihm nur, wenn er in die reale Welt hinausgeht. Dazu verfügt das Spiel über GPS-Anbindung und ein rudimentäres Navigationssystem, welches alle Straßen und Wege (und seien sie noch so klein) in 2D darstellt. In dieser flachen Welt, in der sich die Pokémons versteckt haben, bewegt sich der Avatar des Spielers (seine Spielfigur). Überall kann der Spieler auf Pokémons treffen. Das kann allerdings auch schon einmal vor dem eigenen PC sein



Das Pokémon Krabby versucht mich am Schreiben dieses Artikels zu hindern


Die Werkzeuge zum Einfangen der Pokémons, sogenannte Pokébälle, die auf den Pokémon zu werfen sind, sind bald verbraucht. Der Spieler kann sich an sogenannten Pokéstops kostenlos neue holen. Diese Pokéstops sind wichtige Anker zur realen Welt und an historische Gebäude, Kirchen, Kapellen, Moscheen, ganz allgemein an Sehenswürdigkeiten gekoppelt. Aber auch viele Geschäfte, z.B. alle MacDonalds Filialen in Japan sind Pokéstops. Dies ist eine der Einnahmequellen der Spielemacher, eine andere ist die Möglichkeit für Spieler, sich vorteilhafte Ausrüstung in einem "Store" zu kaufen. Mit Geld alleine, wenn man zu faul ist, sich die kostenlose Ausrüstungsergänzung an den Pokéstops zu erlaufen, kommt man jedoch nicht weiter, man muss sich bewegen. Will man z. B. Pokémon Eier erfolgreich ausbrüten, muss man 2-10 km pro Ei gelaufen sein.

Zum Erfolg des Spiels tragen sicherlich auch die Kampfarenen bei, in denen die Pokémonspieler ihre Pokémons gegeneinander kämpfen und trainieren lassen können. Auch diese Kampfarenen stehen an geografisch hervorgehobenen Positionen. Bei uns in Merzhausen z. B. sinnigerweise auf dem Hof der katholischen Kirche.

2. Das Prinzip der überlagerten Welten - der Harry Potter Effekt

Anhänger eines dualistischen Weltbildes wie z. B. gläubige Christen oder Muslime oder Harry Potter Anhänger haben kein Problem mit der Annahme, dass außerhalb unserer realen Welt noch eine andere unsichtbare existiert. Pokémonspieler erfahren dies nun sinnlich, wobei das Smartphone die Rolle des notwendigen Wahrnehmungsapparates übernimmt.

3. Wird es bei der Überlagerung von Spielewelten bleiben

Mitnichten. Das Pokémonspiel ist nur ein Beispiel dafür, was uns in Zukunft erwartet. Jeder Punkt der realen Welt kann als Auslöser für das Abrufen vielschichtiger Informationen benutzt werden. Welche Informationen dies sein werden, wird davon abhängen, welches Programm wir eingeschaltet haben. Wie bereits in meinem Artikel Augmented Reality konkret - Vergleich der iPhone-Apps Wikitude, Layar und Junaio dargelegt, können diese Informationen sehr nützlich sein. Es besteht jedoch auch die große Gefahr der privaten, sozialen und politischen Manipulation.

Denken wir uns die Entwicklung der Technik weiter, die wohl bald dazu führen wird, dass Kommunikationschips direkt ins Gehirn eingepflanzt werden können (damit unseren Hände wieder frei werden), ist der Schritt zur kompletten Fernsteuerung von Menschen durch eine Zentrale denkbar, bei dem nach dem Ersatz der "augmented reality" durch komplette virtuelle Welten sogar ein Zustand wie in dem Film Matrix möglich wird, in dem die Menschen, in einer Nährlösung liegend, in eine virtuelle Welt komplett eingetaucht sind und sich dort vergnüglich bewegen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass in Szenarien einer "erweiterten Realität" Menschen manipuliert werden, bestimmte Gebiete zu meiden und andere aufzusuchen o.ä. und dass viele Menschen die Grenze zwischen physikalisch erfahrbarer Realität und virtueller Wahnvorstellung nicht erkennen werden.

4. Warum ist die Virtualität so überzeugend

Unsere ureigene menschliche Wahrnehmung ist virtuell. Sie entsteht in unserem Gehirn und ist extrem selektiv. Unsere Sinnesorgane nehmen nur winzige Ausschnitte dessen wahr, was um uns vorgeht. Um z. B. Radiowellen wahrzunehmen brauchen wir Radioempfänger, die die unsichtbaren Wellen in hörbare Luftschwingungen umwandeln. Diese Luftschwingungen sind etwas völlig anderes als die Tonempfindungen, die sie in uns auslösen.

Das Smartphone oder die Chips im Gehirn (Cochlea-Implantate sind schon real) können als Erweiterung des Sinnenspektrums verstanden werden. Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, war schon immer davon bestimmt, wie wir sinnesmäßig ausgestattet sind und welches (Denk-)Programm wir angeschaltet haben. In Zukunft werden wir uns nicht nur biologisch, sondern auch technisch unterscheiden. Die Differenzierung zwischen Traumwelt und realer Welt wird schwieriger werden.

Karl

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  • Herzlichen Dank lieber Alfred
    geschrieben von  m karl  (68) am 08.09.2016 11:10

    Ich freue mich, dass Du die Diskussion begonnen hast. Ein wenig bin ich ansonsten über die mangelnde Resonanz enttäuscht und es scheint, dass ich an den Interessen der Nutzer vorbei geschrieben habe.

    Deshalb möchte ich hier aber noch einmal betonen, dass es mir in erster Linie keineswegs um das Spiel geht (obwohl ich es zusammen mit meinem Enkel gerne spiele, es hilft mir den Zugang zu ihm zu finden), sondern um die hiermit demonstrierten technischen Möglichkeiten, die enorm vielfältig sind und definitiv unsere Welt verändern werden.

    Die Entwicklung ist rasant und nimmt immer noch mehr Geschwindigkeit auf. Gestern war die Präsentation der neuen Apple iPhones, der neuen AppleWatch und der neuen AirPods. So wie Pokemon-Go in Zukunft mit der AppleWatch gespielt werden kann und die drahtlose Kommunikation mit den Hörhilfen funktioniert, werden andere Programme mit kommerzieller und politischer Zielsetzung beginnen Menschen durch die Landschaft zu dirigieren.

    Wer diese Mechanismen nicht versteht, wird zur willenlosen hin- und hergeschobenen Schachfigur.

    Karl

  • Pokemon
    geschrieben von  m wolkenopa am 06.09.2016 10:36

    Pokemon.. Spiel oder Nicht-Spiel, eine Frage? An der Diskussion beteiligen ist von Karl gewünscht.. Nun denne - hier meine Meinung.
    Bin eigentlich an all den Diskussionen im Seniorentreff interessiert, schon wegen der eigenen 80Jahre. Es sind vor allem die "Beiträge" von Karl und Pan, die mich zeitweise bewegen. Aber mich selbst dazu äußern - nee, muss ich nicht haben. Da ist das Thema Pokemon bestes Beispiel! Habe den sogenannten Hype natürlich mitbekommen, auch hier in Spanien sind die Pokemon-Fänger in ihrer "Losgelöstheit" zu beobachten! Mir hat´s die Sprache verschlagen, als ich einen TV-Beitrag der ARD sah, bei der zwei Bundestags-Abgeordnete in der Plenarpause bis zum Wiedereintritt der Sitzung des Deutschen Bundestages "Pokemon-Fangen" spielten. Der fröhliche Umgang zweier Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit dieser doch scheinbar sehr trivialen Beschäftigung vor einer Kamera der (öffentlich rechtl.) ARD hat mich sehr beeindruckt, um nicht zu sagen geschockt. Mit diesem Erlebnis war das Pokemon-Spielen für mich auf der gleichen Ebene angekommen (!), wie die gesellschaftliche Abhängigkeits- und etc.-Gesundheits-Diskussion "Tabak und Alkohol".-
    Abhängigkeits-Diskussionen mit für&wider werden seit mehreren Generationen vorwiegend in Europa geführt und heben auch wenigstens teilweise zu gesellschftl. begründeten Veränderungen geführt. Demnach scheint es doch so zu scheinen (!), dass auch Pokemon kein Generations- oder XYZ-Problem ist, sondern dass mit der Handheld-Kommunikation eine gesellschaftliche Veränderung begonnen hat, deren "Aus - Wirkungen..." nur zu beobachten, aber nicht auf zu halten sind. Und es ist eine logische Vorstellung, wie Karl mit teilend schreibt, dass die Handheld-Kommunikation zur Implant-Kommunikation führen könnte.
    Mir, dem Kind - hat 1945 Hans Domnik mit den Zukunfts-Visionen ein wenig "auf´s Pferd" und zur begeisterten Vorstellung zukunftsträchtiger Ansichten geholfen.
    1945 - noch ohne Radio und "eigene", d.h. persönlich nutzbare Kommunikations-Möglichkeit und all dem fehlenden etc pp - an selbst"reagierenden"fahrenden Personentransport zu denken - die Sonnenlicht-Energie - das war bsolute Spinnerei für die meisten Menschen meiner Umgebung.
    Heute fühle ich mit Karl wieder diese "neue.." Zeit und bin weiterhin ein Leser der Seniorentreff-Diskussionen.
    Alfred Wolkenopa Anno Domini Zweitausendundsechzehn

  • Diskussion erwünscht
    geschrieben von  m karl  (68) am 19.08.2016 15:48

    Es würde mich freuen, wenn ihr hier die Diskussion fortführt oder aber Euch auch an der Diskussion im Forum beteiligt, die parallel läuft.

    Karl




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